Sonntag, 17. Januar 2016

Bergman Reihe : Efter repititionen (Nach der Probe) SE 1984


Der Theaterregisseur Henrik Vogler (Erland Josephson) ist dabei Strindbergs Traumspiel aufzuführen. Nach der Probe zieht er sich auf der Bühne in seine Gedanken zurück als die Hauptdarstellerin des Stücks, die junge Anna Egerman (Lena Olin) plötzlich zurückkommt. Sie unterhalten sich und langsam wird aus der Unterhaltung ein Streitgespräch in der sich der Hass gegen ihre Mutter (Ingrid Thulin) offenbart, die früher die Geliebte von Vogler gewesen ist. Rakel Egerman war einst der Star seiner Inszenierungen und als sich auf der Theaterbühne Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Wirklichkeit vermischen, steht sie auf einmal da und bemüht sich ihn zu verführen. Vogler jedoch verweigert dies, was in einer bitteren Anklage gegen ihn und ihrer gesamten Familie endet. Nachdem Rakel wieder verschwunden ist, erzählt Anna von der Abtreibung, die sie vielleicht ihrer Karriere aber vielleicht auch ihrem Freund zuliebe hat vornehmen lassen. Sie überlegen sich, wie es wohl wäre wenn sich zwischen ihnen eine Affäre entspinnen würde, wobei sie ihre Beziehung vom Anfang bis zum Bruch am Ende der Premiere durchgehen. Anna verläßt das Theater um noch ihren Termin bei einer Radiosendung warzunehmen und Henrik zieht sich wieder zurück in seine Gedankenwelt.

Fanny & Alexander ist Bergmans Vermächtnis gewesen, sein letzter Film für die Kinoleinwand und dabei blieb es auch. Nach Fanny & Alexander war er dennoch unermüdlich in seiner Arbeit für Theater, Oper und ja, auch Film. Nach der Probe ist der erste von 5 Filmen (Den Dokumentarfilm über die Dreharbeiten zu Fanny & Alexander nicht mitgerechnet), die er, bis zu seinem Tod (2007), fürs schwedische Fernsehen drehte. 

Nach der Probe ist ein kleiner Film, für ein kleines Format.  Ein filmischer Essay und in der Form ein Ein-Akter, wenn man so will. Bergman läßt auf einer Theaterbühne Schauspieler über sich selbst und ihre Beziehung zum Schauspielerdasein, vom Leben im Theater sinnieren. Es gibt keinerlei Handlung, Interaktionen, Wechsel. Der Film verläßt den Schauplatz der Bühne nie, was leicht spröde und verkopft anmutet, doch ist der Film alles andere als unspannend, da er dem Thema geschuldet einzig und allein Reflektion ist.
Alles was wir sehen und hören ist die Reflektion übers Schauspieler-Künstlerdasein, über das Theater, über dieses seltsame Volk, über das Bergman schon soviel innerhalb seines Werks erzählt und gezeigt hat.
Der Film stellt die Frage :"Was heißt das, wenn man sein Leben lang etwas "vorspielt" ?
Der Titel selbst gibt auch eine Laufrichtung vor indem er sagt :"Es geht weiter". Das Theater ist immer da, es läßt sich nicht abstellen. 

Da gibt es dann eine Vergangenheitsreflektion, die zeigt, wie diese Ebene des "Schauspiels" auch ins Privatleben eindringt und etwas mit dem "Spiel" auf der Bühne anstellt.

"Schauspieler sein, heißt immer Schauspieler sein". Es ist kein Beruf sondern ein permanenter Zustand, eine Krankheit, die sich mit allem verwebt im Leben. Dieser Zustand unterscheidet sie von anderen Menschen.



Die Aktion des Films wird auf reiner Dialogebene gehandelt, es gibt keine filmische Aktion.
Als Henrik und Anna sich gegenüber sitzen und erzählen, was sie erleben werden ohne das sie es tatsächlich erleben, werden ganze Etappen eines Lebens allein durch Dialog durchgespielt.
Am Ende kommen sie wieder auf die Eingangsfrage "Was ist Wirklichkeit ? Was ist echt ? Was heißt das, wenn ich mein Leben lang spiele ?"
Als Schauspieler müssen sie gar nichts erleben, sondern es einfach nur darstellen. Im Dialog, auf der Bühne wird das gemeinsame Leben einer imaginierten Beziehung mit allen Streitigkeiten und Ungereimtheiten durchgespielt. Dabei wird das "wirkliche" Leben immer hinterfragt.

Wie in Bergmans bisherigem Werk fließen die Erinnerungs, Zeit und Reflektionsebenen zusammen. In nach der Probe tun sie das auch und es ist mehr als kunstvoll zu sehen, wie Bergman dies direkt auf der Bühne auch filmisch löst als Ingrid Thulin auf einmal auf der Bühne erscheint, die Mutter von Anna spielend, eine Schauspielerin gibt und punktgenau ihrer alten Affäre Henrik entgegenhält, dass es keine Trennung zwischen "Maske" und "Gesicht" gibt, genauso wie "Vergangenheit" und "Gegenwart" hier auf einer Ebene abgehandelt werden.

Eine der wenigen Totalen innerhalb des Films zeigt die Konfrontation mit der Vergangenheit auf einer Bühne.
 
Anna : Erwachsen  
Anna : Als 12jähriges Kind. Vergangenheit und Gegenwart liegen auf einer Ebene, nur getrennt durch Schwenks und Schnitt.
Gesichter in Nahaufnahme : Die Masken, die wir tragen. 

Allein mit ausgeklügeltem Schnitt, einer Schauspielerchoreografie und Kamerabewegung, die für das Setting der einzelnen Bühne mehr als beachtlich ist, läßt Bergman die verschiedenen Ströme zusammenfließen.

Bei all der Meta-haftigkeit, die Nach der Probe innewohnt, gibt es noch 3 kurze Selbstzitate, wenn wir zum Beispiel in einer kurzen Erinnerung Henrik als Jungen dargestellt von Bertil Guve (Alexander aus Fanny & Alexander) sehen oder im Hintergrund, auf der Bühne, eine Marionette hängt, die dem "Gott" aus Fanny & Alexander zum Verwechseln ähnlich sieht. Oder auch, die Tatsache, daß hier wieder Strindbergs Traumspiel aufgegriffen wird.
Dabei verläßt er nie das Setting der Theaterbühne. Alles fließt dort zusammen, auf allen Ebenen.

Nach der Probe ist ein tiefes, grüblerisches aber auch persönliches Essay über ein Thema, welches sein komplettes Werk durchzieht. Man könnte böswillig auch verkopft sagen, doch entwickelt der Film gerade in seiner Form einen faszinierenden Sog, sofern man sich darauf einlassen kann.

Bergman selbst war wohl extrem unzufrieden mit dem Film, weswegen er ihn auch um 20 Minuten kürzen ließ. Nach der Probe war die letzte Zusammenarbeit zwischen Bergman und Nykvist als Kameramann.

7/10





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