Mittwoch, 2. März 2016

Bergman Reihe : Saraband SE 2003



30 Jahre nach Szenen einer Ehe. Marianne (Liv Ullmann) sitzt, im Prolog, vor einem Berg von Fotografien und sinniert über sich und vergangene Zeiten. Sie denkt über ein Wiedersehen mit Johan (Erland Josephson) nach, den sie besuchen möchte. Johan lebt im Haus seiner Eltern, zurückgezogen, in der Provinz Dalarna. Als Marianne überraschend auftaucht, läßt er sich nur äußerst widerwillig auf ein Treffen mit ihr ein. Sie beschließt den Sommer über zu bleiben und gerät langsam vom Scherbenhaufen ihrer vergangenen Ehe mit Johan sogleich in den nächsten, als sich durch Gespräche die derzeitige Familiensituation Johans vor ihr auftut. In einer kleinen Blockhütte, nahe des Elternhauses, wohnen Johans Sohn Henrik ( Börje Ahlstedt), ein gescheiterter Musikprofessor und seine Tochter Karin (Julia Dufvenius), die von ihrem Vater im Cello Unterricht für die Aufnahmeprüfung an einem Konservatorium vorbereitet wird. 
Henrik nutzt seine Beziehung zu Karin schamlos, bis zum Inzest, aus. Aus falschem Ehrgeiz, seine Tochter in musikalische Höhen zu bringen, die ihm verwehrt blieben, macht er sogar Schulden bei seinem Vater um ihr ein teures Musikinstrument zu kaufen. Die Beziehung von Henrik zu Johan ist von tiefem Hass gegenüber seinem Vater geprägt, der wiederum seinem Sohn mit spöttischer Gleichgültigkeit begegnet. Karin zeigt Marianne einen Brief von Anna, der verstorbenen Frau von Henrik, deren Tod immer noch auf allen Schultern der Familie lastet. In dem Abschiedsbrief der Mutter drückt Anna das Unbehagen gegenüber der Beziehung ihres Mannes zu Karin aus und rät ihr ihren eigenen Weg zu gehen. Als Karin die Beziehungen von Johan in den Wind schlägt um an einer berühmten Akademie vorzuspielen und stattdessen nach Hamburg geht um Orchestermusikerin zu werden, unternimmt Henrik einen Selbstmordversuch auf den Johan nur mit zynischem Spott reagiert. Zwischen Johan und Marianne breitet sich, trotz einer langen Aussprache im Bett, ein Band des Schweigens aus. 
Im Epilog erörtert sie noch einmal die Geschehnisse und zeigt sich fasziniert von Anna. Sie reflektiert dies für ihr eigenes Leben und besucht ihre Tochter Martha (Gunnel Fred) im Pflegeheim, die sie seit Jahren vernachlässigt und nicht gesehen hat. 


Sarbande ist Bergmans letzter Film und zwar mit Vorankündigung. So wie Marianne am Anfang des Films über ihre damalige Beziehung zu Johan nachdenkt, so kam dem 84jährigen Ingmar Bergman auch im Sommer 2001 die Beziehung der beiden Protagonisten aus Szenen einer Ehe, in den Sinn, als er an einer Ibsen Übersetzung arbeitete. Allerdings sollte diese neue Idee keine reine Fortsetzung des großen Erfolgs von 1972 sein. Erland Josephson und Liv Ullmann, die seit langem nicht mehr vor der Kamera stand, konnte er wieder für ihre Rollen von damals gewinnen. Sein Freund und Stammkameramann Sven Nykvist dagegen war sehr schwer krank und so kam es, dass der Film, eine Coproduktion vom schwedischen Fernsehen, von 5 verschiedenen Kameramännern gefilmt wurde und Bergman seinen ersten HDTV Film drehte. Die Produktion trug zuerst noch den Titel „Anna“, nach Johans  zweiter Ehefrau, die mittlerweile verstorben war und wurde erst später zu „Sarabande“.

Der Familenstammbaum wurde neu sortiert. Aus Anna wurde die verstorbene Ehefrau von Johans Sohn Henrik. Dieser wiederum entsammt aus einer früheren Beziehung Johans, die er vor seiner Ehe mit Marianne hatte. Den Titel, dieses 4-Personen Kammerspiels, entlieh er einem barocken Tanz und erklärte, dass sein Drehbuch aus 10 Kapiteln besteht, die er nach Bachs „Kunst der Fuge“ arrangiert habe, in der jedes Instrument von gleichem Gewicht ist. Bergman läßt jeweils immer zwei Personen auftretetn und miteinander reden : Johan und Marianne, Johan und Henrik, Johan und Karin, Karin und Marianne usw. 



Über Sarabande hatte ich nicht viel gelesen und tatsächlich eine Fortsetzung von Szenen einer Ehe in dem Sinne, dass es zu einem Fazit und einer Aussprache zwischen Marianne und Johan kommt, erwartet. Dieses Fazit samt Aussprache ist auch Teil von Sarabande und genauso beginnt auch der Film, doch geht Bergman hier einen Schritt weiter indem er ein ziemlich komplexes Familienporträt zeichnet samt schwierigster Vater-Sohn-(Enkel)Tochter Beziehung. Es gibt Marianne und ihre Tochter Martha, Johan und seinen Sohn Henrik, Henrik und seine Tochter Karin, Johan und seine Enkeltochter Karin und Anna und Karin.
Bergmans letzter Film ist kein versöhnliches Alterswerk geworden. Ganz im Gegenteil zeigt er hier schonungslos die gleichen Themen wie immer ohne Verklärung oder Milde und das obwohl der Film nicht unversöhnlich endet.

Sarabande zeigt ein vollkommen zerrüttetes Familienbild. Während Szenen einer Ehe die Kinder fast vollständig aussparte und sich auf die Paarbeziehung zwischen Marianne und Johan konzentrierte, spielen hier nun die Kinder die Hauptrolle und Marianne und Johan bilden den Rahmen dafür bzw. mehr noch Marianne. Sie ist die Führerin durch diese Eltern-Kind-Beziehung. Die Beobachterin, die für sich und für uns als Zuschauer eine Erkenntnis aus den Ereignissen zieht und am Ende für sich handelt. Bergman geht hier mit diesem Rahmen, was das Medium angeht, nicht so selbstreflexiv um, wie in Die Stunde desWolfs. Hier, in Prolog und Epilog, dient die direkte Ansprache in die Kamera in sehr persönlichem Sinne dazu, um besonders die Stellung Mariannes kenntlich zu machen, die uns weniger als Akteurin sondern mehr als zweiter Zuschauer durch die Geschehnisse leitet um sich selbst Bewusst zu werden. 
Wie schon in früheren Filmen beschreibt Bergman wieder einmal eine Welt in der die Menschen nicht mehr fähig dazu sind richtig zu leben und sie ohne Liebe in eine tiefe Orientierungslosigkeit fallen. In diesem Trübsal gibt es aber einen Menschen, innerhalb der Familie, zu dem alle aufblicken.

 Es gab Anna und es gab Annas Liebe. 

Wie in Schreie und Flüstern ist es auch hier „Annas Liebe“, die den Personen einen letzten Halt gewährt, doch hier ist dieser Halt nur noch eine Erinnerung. Da ist Karin, die die Liebe der Mutter und ihre Verbundenheit erlebt hat und die dann in dem Abschiedsbrief erfährt, wie sehr ihre Mutter sie liebt, in dem sie ihren Mann Henrik bittet ihr Kind freizugeben. Selbst Johan wird aufrichtig wenn er an Anna denkt und Henrik verliert sich in Suizidgedanken und stürzt sich noch mehr in die unheilvolle Beziehung zu seiner Tochter. 


Anna hatte die Fähigkeit zu lieben. Ihr Verlust wirft die Menschen in Sarabande zurück in die Kälte. Es ist diese Liebe gewesen, die das einzig humane, sinnstiftende und lebendige in dieser Familie war. Ohne diese Liebe scheitern alle und dies zeigt Bergman konsequent. Als Karin wirklich ihren eigenen Weg geht um das Erbe ihrer Mutter anzutreten, ist dies nur ein kleiner Lichtblick. Henrik ihr Vater scheitert und ist dabei in seinem Scheitern seinem Vater sehr ähnlich. Fast schon wie eine Karikatur von Johan, der anders als Henrik eine Art Schutzmechanismus über die Jahre aufgebaut hat, der aber nur auf sein verkommenes Inneres verweist. Genauso wie Henrik seinen Vater hasst, verachtet Johan seinen Sohn. Er verachtet dabei das, was er im Grunde selbst ist, schwach und hilflos. Nur die innere Kälte und Härte hält ihn noch am Leben. Henrik wirft sich in seiner Unfähigkeit auf seine Tochter und Bergman deutet diese fehlgeleitete Vaterliebe als inzestuöses Verhältnis an.



Gleich zu Beginn des Films schildert Karin, Marianne in einer Rückblende das Verhältnis zu ihrem Vater. In der kleinen Hütte kommt es während sie mit ihrem Vater probt zu einem heftigen Streit, der damit endet, dass ihr Vater versucht sie zu vergewaltigen. Es ist die erste Szene in der wir Henrik zu Gesicht bekommen, vor einer roten Wand, die als Karin im Nachthemd in den Wald hinausläuft, sich als Tür entpuppt. 

 Bergmans rote Seelenwände aus Passion, Schreie und Flüstern und Fanny & Alexander

 öffnen sich und werden zu einem Verweis auf Die Jungfrauenquelle, der ebenfalls in der Provinz Dalarna gedreht wurde. 

So wie Johan Henrik seine Liebe verweigert, hat Marianne jahrelang ihrer Tochter die Liebe verweigert, was wir nur aus Gesprächen erfahren. Marianne beschreibt ihre Tochter Martha zweimal als einen Menschen, der sich völlig in sich zurückgezogen, total isoliert hat und sagt über sie :“Sie erkennt mich nicht einmal.“ Bergman zeigt das Bild eines Menschen, der ohne Liebe, ohne Berührung verkümmert und nicht leben kann. Dabei ist die „Berührung“ am Ende des Films keine Geste sondern kommt einem Erleben von Lebendigkeit gleich, der einzige Weg sich selbst zu spüren. „Ich habe meine Tochter berührt“ ist das, in den letzten Jahren, sich Bewusst werden von Liebe über die Erkenntnis.



Wenn man die Liebe, die in Bergmans Filmen, besonders in denen mit religiösen Motiven, als abwesend betrachtet, ist besonders die Szene in der sich Marianne und Henrik in der Kirche treffen, faszinierend, da diese Szene im Grunde auf etwas Inneres, ein Gefühl verweist, sich nach einer Art von Wärme zu sehnen, besonders nach dem zuvor verlaufenden Gespräch zwischen den beiden. Welches zuerst freundlich beginnt um dann als sie Henriks Einladung zum Essen zu kommen ablehnt, vollkommen aus der Kurve gerät und Henrik sofort sein gesamtes Auftreten ändert um schmierig und indiskret gegenüber Marianne zu werden. Die ganze Haltlosigkeit und Verletztheit  Henriks wird hier nochmals deutlich aber eben auch zuerst die warme Seite des Mannes, der in der Kirche Bach spielt. Marianne kommt in die Kirche, nicht aus einem bestimmten Grund, sondern weil auch sie das Gefühl hat, Halt zu suchen und trifft ganz zufällig auf Henrik, was nochmal ihre Rolle als Beobachterin verstärkt. Nachdem Henrik gegangen ist, sieht Marianne sich über dem Altar das Bild des „Abendmahls“ an, hält inne und betet. Es ist diese Suche nach Halt, die diese Szene auch an Licht im Winter erinnern läßt.

Diese Suche nach Halt spiegelt sich hier ganz besonders in der Musik wieder, die innerhalb des Films oft diegetisch sowie nichtdiegetisch eingesetzt wird. In dieser Bergman typischen Abwesenheit von Liebe, von Gott fungiert die Musik wie ein letzter Rettungsanker. Ähnlich wie der Einsatz von Bach in Das Schweigen, als alle im Hotel gleichsam auf diesen Anker im Raum reagieren, steht die Musik für die Suche nach Halt und alle geben sich hier der klassischen Musik auf unterschiedlichste Weise hin. Auch Johan, der sich in seinem Haus in voller Lautstärke in sie vertieft als er bei Bruckners 9. Sinfonie fast in den Boxen verschwindet, könnte man dies im höheren Sinne als religiös begreifen, da diese unvollendete Sinfonie dem „lieben Gott“ gewidmet ist. Doch Bergmans Filme sind nicht religiös. Er beschreibt nur wofür diese Musik steht. Für Sinn, Erkenntnis, Halt in einem Leben, wo all dies verloren gegangen ist. 

Johan, der vollkommen entfremdet von der Wirklichkeit fragt, was denn seine beiden Töchter machen, wird am Ende vom nackten Wind der Gottlosigkeit dahingeworfen. Es ist dieStunde des Wolfs in der dem zynischen Misanthropen der nackte Angstschweiß über die Glieder fährt und er sich hilflos, wie ein Kind, seiner Kleider entledigt um Wärme bei Marianne im Bett zu suchen. Auch hier ein Verweis auf das Ende von Szenen einer Ehe.
Doch der Graben zwischen ihnen ist mittlerweile durch die vielen Gespräche und Geschehnisse zu tief und so breitet sich zwischen ihnen ein langes, anhaltendes Schweigen aus.
Marianne reflektiert, im Epilog, die Wochen mit Johan und ist fasziniert von der Ausstrahlung, die Anna auf die Familie hatte. Sie zieht ein Fazit für sich und besucht ihre Tochter Martha um zu einer Erkenntnis von Liebe zu kommen.

Auch in Sarabande sind die Themen wie Alter, Tod und Sterben omnipräsent und Bergman behandelt sie hier mit der gleichen Intensität und Offenheit wie in all seinen Filmen und doch ist dieser Film wärmer, im Grunde ein Alterswerk im doppelten Sinn, was hauptsächlich an der Figur von Marianne liegt, die uns durch dieses Jammertal leitet und als einzige bereit ist eine Erkenntnis zu machen. Bergmans letzter Film ist auch kein Film, der durch seine Ästhetik besticht. Die Kamera ist hier so gut wie nicht vorhanden, was durchaus zum Nachteil gerät aber dennoch nicht weiter stört, da Sarabande mit seinen vielen Querverweisen innerhalb der Dialoge und seinen überbordenden Bergman Themen überzeugt.  Sarabande blieb auch Bergmans letzter Film. Im Alter von 89 Jahren starb Ingmar Bergman am 30. Juli 2007.

7-8/10

Sarabande ist zwar Bergmans letzter Film und eigentlich müßte damit auch diese Reihe, die ich mit Andreas seit 2013 bestreite, zu Ende sein, doch sie ist es nicht. Wer vielleicht in meinen letterboxd Einträgen oder innerhalb der Monatslisten gesehen hat, fangen wir nochmal von vorne an und arbeiten uns chronologisch durch alle Filme Bergmans, die uns zum damaligen Zeitpunkt noch nicht zur Verfügung standen. Bald heißt es also hier auf shortcutstotale : Bergman revisited.

Wie immer hinke ich den Einträgen hinterher. 4 Filme haben wir schon gesehen. Demnächst dann Bergmans Debut Film „Kris“ von 1946.




 

Dienstag, 2. Februar 2016

Januar 2016 Alle Filme

Neues Jahr, neues Filmglück. Hier ist also wieder meine monatliche Filmbewertungsliste.
Zu einigen Titeln habe ich auch etwas geschrieben, vorzugsweise in schlechtem Englisch bei letterboxd. Hier nachzulesen : http://letterboxd.com/shortcut/films/reviews/

10/10 Große Liebe, Meisterwerk, mindblowing, Sternstunde
9/10 sehr, sehr gut, fabelhaft, exzellent
8/10 gut - richtig gut, nix zu meckern
7/10 gut, mit einigen Abstrichen
6/10 nja, ok, abgenickt, so lala
5/10 mittelmäßig mit einigen Momenten
4/10 mies mit wenigen Momenten
3/10 mies ohne Momente
2/10 Beschissen
1/10 Richtig beschissen
0/10 Sondermüll

* = keine Erstsichtung
(DC) = Directors Cut
(3D) = Mit Brille
(Kino) = im Kino gesehen
(short) = Kurzfilm



Major Dundee (Ext. Cut) 1965 (Sam Peckinpah) 8/10
Sergeant Rutledge 1960 (John Ford) 10/10 
Junior Bonner 1972 (Sam Peckinpah) 8/10
Bronco Billy 1980 (Clint Eastwood) 6/10
The Cincinnati Kid 1965 (Norman Jewison) 9/10
California Split 1975 (Robert Altman) 10/10
Legend (Kino) 2015 (Brian Helgeland) 4/10
Dheepan (Kino) 2015 (Jacques Audiard) 6/10
Payback : Straight Up (Dc) 2006 (Brian Helgeland) 7/10
The Osterman Weekend 1983 (Sam Peckinpah) 8/10 *
Skepp till India Land (Schiff nach Indialand) 1947 (Ingmar Bergman) 8/10
On the Beach 1959 (Stanley Kramer) 6/10
The Defiant Ones 1958 (Stanley Kramer) 8/10
In the Heat of the Night 1967 (Norman Jewison) 7/10 *
Bad Boys 1995 (Michael Bay) 3/10 *
The Heat 2013 (Paul Feig) 8/10
Rak ti Khon Kaen (Kino) (Cemetary of Splendour) 2015 (Apichatpong Weerasethakul) 8/10 
Seom (Die Insel) 2000 (Kim Ki-Duk) 7-8/10 
Bin-Jip (Bin-Jip – Leere Häuser) 2004 (Kim Ki-Duk) 8-9/10 *
Bom yeoreum gaeul gyeoul geurigo bom (Frühling, Sommer, Herbst, Winter…. und Frühling)
2003 (Kim Ki-Duk) 9/10 
Jeremiah Johnson 1972 (Sydney Pollack) 7-8/10
The Revenant (Kino) 2015 (Alejandro González Inarritu) 6-7/10
Il grande Silenzio (Leichen pflastern seinen Weg) 1968 (Sergio Corbucci) 9/10 * 
Navajo Joe 1966 (Sergio Corbucci) 8/10
Loft – Die neue Saat der Gewalt 1985 (Eckhart Schmidt) 4/10
Der Fan 1982 (Eckhart Schmidt) 7-8/10 *
Loft – Die neue Saat der Gewalt 1985 (Eckhart Schmidt) 5/10 *
La casa sperduta nel parco (Der Schlitzer) 1980 (Ruggero Deodato) 6/10 
The last House on the Left 1972 (Wes Craven) 8/10
Polizeiruf 110 : Und vergib uns unsere Schuld 2016 (Marco Kreuzpaintner) 8/10
The Big Short (Kino) 2015 (Adam McKay) 7-8/10
Brewster´s Millions 1985 (Walter Hill) 6/10 *
Bullet to the Head 2012 (Walter Hill) 7/10
Red Heat 1988 (Walter Hill) 8/10 *
The Wolf of Wall Street 2013 (Martin Scorsese) 9/10 *
Moscow on the Hudson 1984 (Paul Mazursky) 7/10
The Big Chill 1983 (Lawrence Kasdan) 6/10
Grand Canyon 1991 (Lawrence Kasdan) 1/10
Le déclin de l'empire américain (Der Untergang des amerikanischen Imperiums) 
1986 (Denys Arcand) 8/10
Les invasions barbares (Die Invasion der Barbaren) 2003 (Denys Arcand) 7/10 
L´ombre des femmes (Kino) (Im Schatten der Frauen) 2015 (Philippe Garrel) 7/10
La Peau Douce (Die süße Haut) 1964 (Francois Truffaut) 8/10
 

Sonntag, 17. Januar 2016

Bergman Reihe : Efter repititionen (Nach der Probe) SE 1984


Der Theaterregisseur Henrik Vogler (Erland Josephson) ist dabei Strindbergs Traumspiel aufzuführen. Nach der Probe zieht er sich auf der Bühne in seine Gedanken zurück als die Hauptdarstellerin des Stücks, die junge Anna Egerman (Lena Olin) plötzlich zurückkommt. Sie unterhalten sich und langsam wird aus der Unterhaltung ein Streitgespräch in der sich der Hass gegen ihre Mutter (Ingrid Thulin) offenbart, die früher die Geliebte von Vogler gewesen ist. Rakel Egerman war einst der Star seiner Inszenierungen und als sich auf der Theaterbühne Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Wirklichkeit vermischen, steht sie auf einmal da und bemüht sich ihn zu verführen. Vogler jedoch verweigert dies, was in einer bitteren Anklage gegen ihn und ihrer gesamten Familie endet. Nachdem Rakel wieder verschwunden ist, erzählt Anna von der Abtreibung, die sie vielleicht ihrer Karriere aber vielleicht auch ihrem Freund zuliebe hat vornehmen lassen. Sie überlegen sich, wie es wohl wäre wenn sich zwischen ihnen eine Affäre entspinnen würde, wobei sie ihre Beziehung vom Anfang bis zum Bruch am Ende der Premiere durchgehen. Anna verläßt das Theater um noch ihren Termin bei einer Radiosendung warzunehmen und Henrik zieht sich wieder zurück in seine Gedankenwelt.

Fanny & Alexander ist Bergmans Vermächtnis gewesen, sein letzter Film für die Kinoleinwand und dabei blieb es auch. Nach Fanny & Alexander war er dennoch unermüdlich in seiner Arbeit für Theater, Oper und ja, auch Film. Nach der Probe ist der erste von 5 Filmen (Den Dokumentarfilm über die Dreharbeiten zu Fanny & Alexander nicht mitgerechnet), die er, bis zu seinem Tod (2007), fürs schwedische Fernsehen drehte. 

Nach der Probe ist ein kleiner Film, für ein kleines Format.  Ein filmischer Essay und in der Form ein Ein-Akter, wenn man so will. Bergman läßt auf einer Theaterbühne Schauspieler über sich selbst und ihre Beziehung zum Schauspielerdasein, vom Leben im Theater sinnieren. Es gibt keinerlei Handlung, Interaktionen, Wechsel. Der Film verläßt den Schauplatz der Bühne nie, was leicht spröde und verkopft anmutet, doch ist der Film alles andere als unspannend, da er dem Thema geschuldet einzig und allein Reflektion ist.
Alles was wir sehen und hören ist die Reflektion übers Schauspieler-Künstlerdasein, über das Theater, über dieses seltsame Volk, über das Bergman schon soviel innerhalb seines Werks erzählt und gezeigt hat.
Der Film stellt die Frage :"Was heißt das, wenn man sein Leben lang etwas "vorspielt" ?
Der Titel selbst gibt auch eine Laufrichtung vor indem er sagt :"Es geht weiter". Das Theater ist immer da, es läßt sich nicht abstellen. 

Da gibt es dann eine Vergangenheitsreflektion, die zeigt, wie diese Ebene des "Schauspiels" auch ins Privatleben eindringt und etwas mit dem "Spiel" auf der Bühne anstellt.

"Schauspieler sein, heißt immer Schauspieler sein". Es ist kein Beruf sondern ein permanenter Zustand, eine Krankheit, die sich mit allem verwebt im Leben. Dieser Zustand unterscheidet sie von anderen Menschen.



Die Aktion des Films wird auf reiner Dialogebene gehandelt, es gibt keine filmische Aktion.
Als Henrik und Anna sich gegenüber sitzen und erzählen, was sie erleben werden ohne das sie es tatsächlich erleben, werden ganze Etappen eines Lebens allein durch Dialog durchgespielt.
Am Ende kommen sie wieder auf die Eingangsfrage "Was ist Wirklichkeit ? Was ist echt ? Was heißt das, wenn ich mein Leben lang spiele ?"
Als Schauspieler müssen sie gar nichts erleben, sondern es einfach nur darstellen. Im Dialog, auf der Bühne wird das gemeinsame Leben einer imaginierten Beziehung mit allen Streitigkeiten und Ungereimtheiten durchgespielt. Dabei wird das "wirkliche" Leben immer hinterfragt.

Wie in Bergmans bisherigem Werk fließen die Erinnerungs, Zeit und Reflektionsebenen zusammen. In nach der Probe tun sie das auch und es ist mehr als kunstvoll zu sehen, wie Bergman dies direkt auf der Bühne auch filmisch löst als Ingrid Thulin auf einmal auf der Bühne erscheint, die Mutter von Anna spielend, eine Schauspielerin gibt und punktgenau ihrer alten Affäre Henrik entgegenhält, dass es keine Trennung zwischen "Maske" und "Gesicht" gibt, genauso wie "Vergangenheit" und "Gegenwart" hier auf einer Ebene abgehandelt werden.

Eine der wenigen Totalen innerhalb des Films zeigt die Konfrontation mit der Vergangenheit auf einer Bühne.
 
Anna : Erwachsen  
Anna : Als 12jähriges Kind. Vergangenheit und Gegenwart liegen auf einer Ebene, nur getrennt durch Schwenks und Schnitt.
Gesichter in Nahaufnahme : Die Masken, die wir tragen. 

Allein mit ausgeklügeltem Schnitt, einer Schauspielerchoreografie und Kamerabewegung, die für das Setting der einzelnen Bühne mehr als beachtlich ist, läßt Bergman die verschiedenen Ströme zusammenfließen.

Bei all der Meta-haftigkeit, die Nach der Probe innewohnt, gibt es noch 3 kurze Selbstzitate, wenn wir zum Beispiel in einer kurzen Erinnerung Henrik als Jungen dargestellt von Bertil Guve (Alexander aus Fanny & Alexander) sehen oder im Hintergrund, auf der Bühne, eine Marionette hängt, die dem "Gott" aus Fanny & Alexander zum Verwechseln ähnlich sieht. Oder auch, die Tatsache, daß hier wieder Strindbergs Traumspiel aufgegriffen wird.
Dabei verläßt er nie das Setting der Theaterbühne. Alles fließt dort zusammen, auf allen Ebenen.

Nach der Probe ist ein tiefes, grüblerisches aber auch persönliches Essay über ein Thema, welches sein komplettes Werk durchzieht. Man könnte böswillig auch verkopft sagen, doch entwickelt der Film gerade in seiner Form einen faszinierenden Sog, sofern man sich darauf einlassen kann.

Bergman selbst war wohl extrem unzufrieden mit dem Film, weswegen er ihn auch um 20 Minuten kürzen ließ. Nach der Probe war die letzte Zusammenarbeit zwischen Bergman und Nykvist als Kameramann.

7/10





Freitag, 1. Januar 2016

2015 : Das Filmjahr im Ranking

 01.
Mad Max : Fury Road 2015 (George Miller) (Kino & BD) 
10/10

02.
The Look of Silence 2014 (Joshua Oppenheimer) (Berlinale & Kino)
10/10

03.
Inside Out 2015 (Pete Docter & Ronaldo Del Carmen) (Kino)
10/10

04.
She´s funny that way 2014 (Peter Bogdanovich) (Kino)
9/10

05.
Blackhat 2015 (Michael Mann) (Kino & BD)
9/10


06.
 It follows 2015 (David Robert Mitchell) (Kino & BD)
8-9/10

07.
Trudno byt bogom (Es ist schwer ein Gott zu sein) 
2013 (Aleksey German) (Kino)
8-9/10 

08.
Tokyo Tribe 2014 (Sion Sono) (Kino)
8/10

09.
Bridge of Spies 2015 (Steven Spielberg) (Kino)
8/10

10.
Carol 2015 (Todd Haynes) (Kino)
8/10

11.
Knight of Cups 2015 (Terrence Malick) (Berlinale)
8/10

12. 
Clouds of Sils Maria 2014 (Olivier Assayas) (BD)
8/10

13.
Inherent Vice 2014 (Paul Thomas Anderson) (Kino & BD)
8/10

14.
The Visit 2015 (M. Night Shyamalan) (Kino)
7-8/10

15.
600 Millas 2015 (Gabriel Ripstein) (Berlinale)
7-8/10

16.
Incompresa 2014 (Asia Argento) (Kino)
7-8/10

17.
A Girl walks home alone at night 2014 (Ana Lily Amirpour) (Kino)
7-8/10

18.
Ich seh, ich seh 2014 (Veronika Franz & Severin Fiala) (Kino)
7-8/10

19.
Polizeiruf 110 : Kreise 2015 (Christian Petzold) (TV)
7/10

20.
American Sniper 2014 (Clint Eastwood) (BD)
7/10

21.
The Duke of Burgundy 2015 (Peter Strickland) (Kino)
7/10

 22.
Whiplash 2014 (Damien Chazelle) (DVD)
7/10

23.
Vacation 2015 (John Francis Daley & Jonathan M. Goldstein) (Kino)
7/10

24.
Eisenstein in Guanajuato 2015 (Peter Greenaway) (Berlinale)
7/10

25.
En duva satt pa en gren och funderade pa tillvaron (Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach) 2014 (Roy Andersson) (Kino)
7/10

26.
Sicario 2015 (Denis Villeneuve) (Kino)
6-7/10

27.
Ricki and the Flash 2015 (Jonathan Demme) (Kino)
6-7/10

28.
14+ 2015 (Andrei Zaitsev) (Berlinale)
6-7/10

29.
El Club 2015 (Pablo Larraín) (Berlinale)
6/10

30.
The Strange Color of your Body´s Tears 2013 (Hélène Cattet & Bruno Forzani) (Kino)
6/10
 31.
The Martian 2015 (Ridley Scott) (Kino)
6/10

32.
Birdman or (the unexpected virtue of ignorance) 2014 (Alejandro Gonzáles Inárritu) (DVD)
6/10

33.
Pixels 2015 (Chris Columbus) (Kino)
6/10

34.
Die Lügen der Sieger 2015 (Christoph Hochhäusler) (Kino)
5-6/10

35.
Burying the Ex 2014 (Joe Dante) (BD)
5-6/10

36.
Flocken 2015 (Beata Gardeler) (Berlinale)
5/10

37.
Fury 2014 (David Ayer) (BD)
5/10

38.
The Babadook 2014 (Jennifer Kent) (BD)
5/10

39.
A most violent year 2014 (J. C. Chandor) (BD)
5/10

40.
Spectre 2015 (Sam Mendes) (Kino)
5/10

41.
Southpaw 2015 (Antoine Fuqua) (Kino)
4-5/10

42.
Star Wars : The Force Awakens 2015 (J. J. Abrams) (Kino)
4/10

43.
Queen of the Desert 2015 (Werner Herzog) (Berlinale)
4/10

44.
Corbo 2014 (Matthieu Denis) (Berlinale)
4/10

45.
Victoria 2015 (Sebastian Schippert) (Kino)
4/10

46.
The Voice of Water 2014 (Masashi Yamamoto) (Berlinale)
3/10

47.
John Wick 2014 (Chad Stahelski & David Leitch) (BD)
3/10


Dezember 2015 Alle Filme

Ich fasse mich dieses Mal kurz, lasse einfach die Liste sprechen und verweise für ein wenig mehr Text auf mein Tagebuch bei letterboxd : http://letterboxd.com/ShortCut/films/diary/


10/10 Große Liebe, Meisterwerk, mindblowing, Sternstunde
9/10 sehr, sehr gut, fabelhaft, exzellent
8/10 gut - richtig gut, nix zu meckern
7/10 gut, mit einigen Abstrichen
6/10 nja, ok, abgenickt, so lala
5/10 mittelmäßig mit einigen Momenten
4/10 mies mit wenigen Momenten
3/10 mies ohne Momente
2/10 Beschissen
1/10 Richtig beschissen
0/10 Sondermüll



Mad Max : Fury Road (3D) 2015 (George Miller) 10/10 *
The Keep 1983 (Michael Mann) 5/10
It Follows 2015 (David Robert Mitchell) 8-9/10 * 
Velvet Goldmine 1998 (Todd Haynes) 6/10
I´m not there 2007 (Todd Haynes) 7/10
Far from Heaven 2002 (Todd Haynes) 8/10 *
Carol (Kino) 2015 (Todd Haynes) 8/10
Letter from an unknown woman 1948 (Max Ophüls) 10/10
The Reckless Moment 1949 (Max Ophüls) 8/10
Youth without Youth 2007 (Francis Ford Coppola) 2/10
Tetro 2009 (Francis Ford Coppola) 6/10
Out of the Blue 1980 (Dennis Hopper) 10/10 * 
The Naked Kiss 1964 (Samuel Fuller) 9/10 *
White Dog 1982 (Samuel Fuller) 9/10
Pickup on South Street 1953 (Samuel Fuller) 8/10
In a lonely place 1950 (Nicholas Ray) 10/10
Prince of the City 1981 (Sidney Lumet) 10/10 *
A most violent year 2014 (J.C. Chandor) 5/10
End of Watch 2012 (David Ayer) 7/10
Tears of the Sun (DC) 2003 (Antoine Fuqua) 6/10
Fury 2014 (David Ayer) 5/10
Saving Private Ryan 1998 (Steven Spielberg) 4/10 *
1941 1979 (Steven Spielberg) 7/10 *
National Lampoon’s Christmas Vacation 1989 (Jeremiah S. Chechik) 8/10 *
The long Kiss Goodnight 1996 (Renny Harlin) 5/10 *
Kiss Kiss Bang Bang 2005 (Shane Black) 2/10
Bridesmaids 2011 (Paul Feig) 5/10
Bowfinger 1999 (Frank Oz) 6/10
Dirty rotten scoundrels 1988 (Frank Oz) 6-7/10 *
Star Wars : The Force Awakens (3D) (Kino) 2015 (J. J. Abrams) 4/10
Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull 2008 (Steven Spielberg) 5/10 *
Hereafter 2010 (Clint Eastwood) 8-9/10
Always 1989 (Steven Spielberg) 6/10
A.I. : Artificial Intelligence 2001 (Steven Spielberg) 9/10 *
E.T. – The Extra-Terrestrial 1982 (Steven Spielberg) 8/10 *